Das Cytonet Leberzell-Präparat bietet eine neue Therapieoption für bestimmte lebensbedrohliche Leber-Erkrankungen. Das Präparat wird aus Leberzellen hergestellt, die nicht transplantierbaren Spenderlebern entnommen werden. Derzeit wird die Leberzell-Suspension im Rahmen der SELICA II-Studie bei angeborenen Stoffwechselstörungen der Leber im neugeborenen oder frühkindlichen Alter eingesetzt. Seit Anfang 2007 konnten mit dem Leberzellpräparat von Cytonet an der Universitätskinderklinik Heidelberg, der Medizinischen Hochschule Hannover sowie in der Universitätskinderklinik in Padua vier Kinder mit lebensbedrohlichen Harnstoffzyklusdefekten erfolgreich behandelt werden. Eine klinische Multizenterstudie für Neugeborene und Kinder mit angeborenen Stoffwechseldefekten der Leber ist in Deutschland angelaufen. Bei diesen Erkrankungen verhindert ein Enzymdefekt der Leber, dass giftiger Ammoniak zu Harnstoff abgebaut wird.
Darüber hinaus wurden mit der Leberzell-Therapie bereits mehrere erwachsene Patienten mit Akutem Leberversagen erfolgreich behandelt. Erstmals wurde das Verfahren 2004 bei einer 64-jährigen Patientin eingesetzt, die nach dem Genuß von Knollenblätterpilzen in ein lebensbedrohliches Koma gefallen war. Das behandelnde Ärzteteam an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) unter Leitung von Prof. Dr. Michael Manns und Prof. Dr. Michael Ott hatte sich zum Einsatz des bei Cytonet hergestellten Leberzell-Transplantats entschlossen. Nur zwei Wochen nach der Behandlung konnte die Patientin geheilt aus der Klinik entlassen werden.
Die Leberzellen, die in der Regel über einen Katheter in das erkrankte Organ injiziert werden, ersetzen die veränderten oder verloren gegangenen Funktionen der Leber. Bei der Therapie von Stoffwechselstörungen der Leber bei Neugeborenen übernehmen die fremden Leberzellen diese Ersatzfunktion bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Säuglinge alt genug für eine Transplantation der Leber sind. Bei Akutem Leberversagen übernehmen die fremden Leberzellen die Funktion des erkrankten Organs solange, bis sich die Leber des Patienten regeneriert hat und ihre ursprünglichen Funktionen wieder vollständig wahrnehmen kann.
Diese einfache, minimal invasive und vergleichsweise risikoarme Therapieoption eröffnet völlig neue Perspektiven bei der Behandlung schwerster Leber-Erkrankungen.